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22.12.2017

Unsterblichkeit und Jenseitigkeit - Symbolik in der Architektur des Museums Koenig

Veröffentlicht am:

22.12.2017

Veröffentlicht von:

Sabine Heine
Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

Kategorie:

Buntes aus der Wissenschaft

Forschungsergebnisse

 

Übersicht:

In der Architektur des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn findet man zahlreiche Abbildungen von Tieren der Bildhauer Karl Menser und Jakobus Linden. Die Symbolik der Metall- und Sandsteinskulpturen der Fassade und auf dem Dach des Museums Alexander Koenig wird in der gerade erschienen Koenigiana erstmals systematisch betrachtet und diskutiert. Die Darstellungen spiegeln in vielerlei Hinsicht die Denkweise und Haltung des Gründers des Museums, Alexander Koenig in seiner Zeit.

 

Beschreibung:

Da Alexander Koenig einer streng protestantischen Familie entstammte, lassen sich auffliegende Adler als Bilder für den Aufstieg in den Himmel und die Erlösung der Seele interpretieren. Die Tierparade im Giebel kann als Arche Noah angesehen werden. Die in einem Frontspiz des Museums abgebildete Versammlung von Tieren weist im Zentrum einen Löwen als König der Tiere auf. Dieser ist wahrscheinlich eine Anspielung auf den Museumsgründer.

 

Das Dach wird von zwei Figuren gekrönt: eine nackte, männliche Figur, die Prometheus darstellt, sowie eine einem Engel ähnliche weibliche Gestalt. Prometheus steht in der Moderne als Symbolfigur für den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt und die zunehmende Herrschaft des Menschen über die Natur. Oft wird Prometheus zusammen mit einem Adler dargestellt, der an seiner Leber frisst. In der Gruppe auf dem Museum Koenig ist der Adler gegen eine friedliche Eule ausgetauscht, dem Symbol für Weisheit und Gelehrsamkeit. Eine Weltkugel zeigt den Kontinent Afrika, was sich ebenfalls als Reminiszenz an Alexander Koenig und seine Forschungen in Afrika deuten lässt. Diese Gruppe ist eine Schöpfung von Karl Menser, der ebenso die als Alexander und Margarethe Koenig interpretierten menschlichen Figuren über dem Haupteingang des Museums geschaffen hat.

 

Die Entstehung der Werke und ihre Schöpfer waren bisher nur unzureichend bekannt. Neue Dokumente und Fotos zeigen, dass die meisten Figuren bereits 1913/14 gefertigt worden, ein Teil aber erst zwischen 1929 und 1933. Die Bildhauer Karl Menser (1872– 1929) und Jakobus Linden (1886–1950) waren beide Vertreter des rheinischen Expressionismus.

 

Alexander Koenig nahm starken Einfluss auf die Auswahl der Motive; sie waren Teil der Außenwirkung des Museums und seiner Selbstdarstellung. Fassade und Dach weisen insgesamt 43 Gruppen mit 91 Einzeldarstellungen auf, und stellen damit die umfangreichste und öffentlich zugängliche Werkgruppe der Bildhauer Karl Menser und Jakobus Linden dar.

 

Quelle: KOENIGIANA Band 11 (2) (2017) 47–63 Bonn, Dezember 2017 ISSN 0934-2788

 

Auf Wunsch schicken wir Ihnen eine pdf Datei des Artikels zu.

 

Ansprechpartner:

Dr. Rainer Hutterer

Tel: +49 228 9122-261

Mail: r.hutterer@leibniz-zfmk.de

 

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Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig - Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere hat einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

 

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 91 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de