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07.02.2018

Eröffnung Sonderausstellung „Fritz Müllers Schriftwechsel in Blumenau, Brasilien“

Veröffentlicht am:

07.02.2018

Veröffentlicht von:

Sabine Heine
Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

Kategorie:

Forschungs- / Wissenstransfer

Buntes aus der Wissenschaft

 

Übersicht:

Gestern eröffnete das Zoologische Forschungsmuseum Alexander-Koenig (ZFMK) – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn die Sonderausstellung „Fritz Müllers Schriftwechsel in Blumenau, Brasilien“. Der gebürtige Thüringer wählte einen einzigartigen Lebensweg. Nach seinem Medizinstudium wanderte er 1852 nach Blumenau in Südbrasilien aus und war einer der ersten Siedler am bewaldeten Flusslauf des Itajaí, Santa Catarina. Durch Korrespondenz hielt er Kontakt mit der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft.

 

Beschreibung:

Müller testete Darwins Theorie der natürlichen Selektion, indem er die Vielfalt an Pflanzen und Tieren seiner Wahlheimat untersuchte und seine Ergebnisse publizierte. Später rühmte Charles Darwin Müllers Beobachtungsgabe und sein analytisches Verständnis.

 

In der Sonderausstellung werden erstmals Korrespondenzkarten von 15 Wissenschaftlern - jenseits von Darwin - an Fritz Müller aus dem Historischen Archiv Blumenau gezeigt. Zusätzlich werden detaillierte Informationen zu den Adressaten geboten.

 

Diverse Originale aus den Sammlungen des Museums Koenig illustrieren die Ergebnisse der Veröffentlichungen Fritz Müllers. Außerdem sind Korrespondenzkarten als Faksimiles zu sehen.

 

„Sehr häufig, man kann sagen, fast täglich schrieb Fritz Müller nachts beim Licht einer Öllampe mit Federn und Tinte seinem Bruder von einem Ende der Welt an das andere“ erklärte Dr. Katharina Schmidt-Loske, Leiterin des Biohistoricums am Museum Koenig und Kuratorin der Ausstellung. Heute ist diese Leistung in einer Zeit der schnellen Kommunikation über SMS und What‘sApp kaum mehr vorstellbar. „Die Dauer der Zustellung einer Karte dauerte vier Wochen, die Rückantwort noch einmal genauso lange“, erläuterte Ana Maria Moares, Bakkalaureus für Geschichte – FURB (Blumenau SC) - Forscherin und Historikerin am historischen Institut Blumenau SC. Moares war extra für die Eröffnung der Ausstellung nach Bonn gereist. Der erhaltene Schriftwechsel und seine Werke dokumentieren, wie Fritz Müller innerhalb der politischen, philosophischen, theologischen und naturwissenschaftlichen Debatten die damals umstrittene Evolutionstheorie stützte.

 

Fritz Müller ist heute am meisten durch die Beschreibung des nach ihm benannten Phänomens der Müllerschen Mimikry im Jahre 1897 bekannt“, fährt Schmidt-Loske fort. Aus diesem Grund wird in der Ausstellung sein Werk „Bemerkenswerthe Fälle erworbener Aehnlichkeit bei Schmetterlingen“ - Separat-Abdruck aus „Kosmos“ X, 1881 - gezeigt. Originale aus den Sammlungen des Museums Koenig illustrieren die Ergebnisse der Veröffentlichung.

 

Doch lässt sich Fritz Müller nicht allein auf die wissenschaftliche Erkenntnis der Mimikry reduzieren. Vielmehr hat er vor allem als ausgezeichneter Beobachter im schriftlichen Kontakt mit diversen anderen Wissenschaftlern den Erkenntnisgewinn in der Biologie gefördert. Mehr als 400 Publikationen waren die Folge. In seinem Buch “Für Darwin“ (1864) führt Fritz Müller die damals von Haeckel als These postulierte Rekapitulation weiterführender als Haeckel aus. Haeckel hat als deutscher Mediziner, Zoologe, Philosoph und Freidenker die Ideen von Charles Darwin zu einer speziellen Abstammungslehre ausgebaut. Heute ist die Rekapitulation als Grundregel (siehe unten) der Biologie anerkannt. Darwins Werk "The Origin of Species" war fünf Jahre zuvor veröffentlicht worden.

 

„Die Ausstellung des Biohistoricums, das ein Alleinstellungsmerkmal des Museums Koenig darstellt, zeigt, dass diese Literatur ihren wissenschaftlichen Stellenwert nicht verliert“ erläutert Prof. Dr. Wolfgang Wägele, Direktor des ZFMK. Von daher ist es unumgänglich, diese entscheidenden Erkenntnisse in der Geschichte der Biologie auch der Öffentlichkeit zu präsentieren.

 

Die Sonderausstellung ist ein Ergebnis der lebendigen Kooperation zwischen dem Historischen Archiv Blumenau und dem Biohistoricum am ZFMK. Sie ist bis zum bis 04.03.2018 im Festsaal des Museums Koenig zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Es wird kein gesonderter Eintritt erhoben.

 

Hintergrundinformation:

 

Ernst Haeckel: (* 16. Februar 1834 in Potsdam; † 9. August 1919 in Jena) führender Biologe, der die Ideen Charles Darwins zur Evolutionslehre ausbaute. Er trug zur Verbreitung des Darwinismus in Deutschland bei. Darüber hinaus erarbeitete er eine ausführliche Beschreibung der Embryologie, die besagt, dass die Embryonalentwicklung zumindest in Teilen eine Wiederholung der Stammesgeschichte sei. Embryonale Anlagen einer „Ahnenform“ werden rekapituliert, also angelegt und dann in ihrer weiteren Entwicklung verändert. Die mit Lungen atmenden Landwirbeltiere rekapitulieren zum Beispiel die embryonale Anlage eines Kiemendarms, die derjenigen eines Fischembryos weitgehend entspricht. Aus dem „Kiemen-Apparat“ des Embryos werden dann aber keine Kiemen entwickelt sondern andere Organe. Aus einer Kiementaschenanlage wird das Mittelohr. Haeckel entwickelte diese Grundregel im Zusammenhang mit der von ihm formulierten Biogenetischen Grundregel.

 

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Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig - Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere hat einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

 

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 91 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de