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02.02.2018

Buntbarsche: Blasser im Angesicht des Feindes

Veröffentlicht am:

02.02.2018

Veröffentlicht von:

Johannes Seiler
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Kategorie:

Wissenschaftliche Publikationen

Forschungsergebnisse

 

Übersicht:

Buntbarsch-Männchen, die sich ständig von Fressfeinden bedroht fühlen, wachsen schneller und bleiben länger unauffällig gefärbt. Das zeigt eine Studie von Biologen der Universität Bonn. Die Tiere verringern so ihr Risiko, zur Beute zu werden. Auf dem Höhepunkt ihrer Geschlechtsreife geben die Tiere ihre Tarnung jedoch auf: Auch unter risikoreichen Bedingungen buhlen sie dann in prächtigen Farben um mögliche Sexualpartnerinnen. Der Artikel erscheint in der Zeitschrift „The American Naturalist“.

 

Beschreibung:

Der afrikanische Smaragd-Prachtbarsch Pelvicachromis taeniatus trägt seinen Namen zu Recht: Bei den Weibchen signalisiert ein violetter Bauch und ein blaugrün schimmernder Seitenstreifen das Einsetzen der Geschlechtsreife. Die Männchen dagegen machen potenzielle Sexualpartnerinnen mit leuchtenden Orange- und Gelbtönen auf sich aufmerksam.

 

Die auffällige Färbung (Evolutionsbiologen sprechen auch von „Ornamenten“) hat einen bedeutenden Nachteil: Sie fällt auch potenziellen Fressfeinden ins Auge. Biologen der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Theo C. M. Bakker am Institut für Evolutionsbiologie und Zooökologie der Universität Bonn haben daher untersucht, wie sich die Anwesenheit von Räubern auf das Aussehen der Fische auswirkt.

 

Dazu zogen sie zwei Gruppen von Smaragd-Prachtbarschen heran und beobachteten sie über einen Zeitraum von zwei Jahren. Bei einer der beiden Gruppen gaben sie regelmäßig einen Extrakt ins Wasser, der aus toten Artgenossen gewonnen worden war. „Wenn Buntbarsche einem Fressfeind zum Opfer fallen, werden dabei Alarmstoffe frei“, erklärt Dr. Denis Meuthen, der inzwischen an die Universität Saskatchewan in Kanada gewechselt ist. „Diese warnen Artgenossen vor der drohenden Gefahr. Auch der von uns verwandte Fisch-Extrakt enthielt derartige Alarmstoffe.“

 

Körpergröße und Blässe als Lebensversicherung

 

Ansonsten wurden die Fische unter exakt identischen Bedingungen gehalten. Zu sechs verschiedenen Zeitpunkten fertigten die Forscher nun Fotos von den Barschen an und verglichen diese miteinander. Dabei zeigten sich zwischen beiden Gruppen einige Unterschiede: So wuchsen die Männchen in vermeintlicher Anwesenheit von Fressfeinden schneller. Sie hatten zudem größere Augen, und auch die Stacheln ihrer Rückenflossen waren länger.

 

„Wir nehmen an, dass die Tiere so ihr Risiko verringern, im Magen eines Fressfeindes zu enden“, erklärt Dr. Timo Thünken diese Beobachtung. „Raubfische können größere Beutetiere mit stacheligen Flossen schwerer erbeuten und haben Probleme, diese zu verschlingen. Zudem helfen große Augen möglicherweise dabei, Räuber schneller zu entdecken.“

 

Dazu kam eine weitere Entdeckung: Die Männchen waren zu Beginn ihrer Geschlechtsreife deutlich dezenter gefärbt als ihre Geschlechtsgenossen aus den Becken ohne Alarmsignale. Auch das war vermutlich eine Anpassung an die vermeintlich erhöhte Gefahr, gefressen zu werden.

 

Erstaunlicherweise betrafen die Unterschiede jedoch nur die Männchen. Der Grund dafür mag in der Lebensweise dieser Buntbarsch-Art zu finden sein: Die Weibchen legen ihre Eier in Bruthöhlen ab und pflegen diese intensiv. Die Männchen halten sich dagegen eher außerhalb der Höhlen auf und verteidigen das Revier gegen Rivalen und Eiräuber. „Sie sind daher weitaus exponierter und können einem Feind leichter zum Opfer fallen“, erklärt Thünken.

 

Die Balz-Färbung setzte bei den Männchen allerdings nur verzögert ein. Nach einem guten Jahr leuchteten die Tiere aus beiden Becken gleich kräftig. „Die Ornamente sind wichtige soziale Signale“, erläutert Meuthen. „So ist eine kräftige Färbung gegenüber dem eigenen Geschlecht ein Zeichen der Dominanz. Gleichzeitig wirkt sie auf paarungsbereite Weibchen besonders attraktiv.“ Anders gesagt: Unscheinbare Männchen leben möglicherweise länger – sie bleiben dafür aber öfter Single.

 

Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt.

 

Publikation: D. Meuthen, S. A. Baldauf, T. C. M. Bakker, und T. Thünken: Neglected patterns of variation in phenotypic plasticity: Age- and sex-specific antipredator plasticity in a cichlid fish. The American Naturalist, DOI: 10.1086/696264

 

Kontakt:

 

Dr. Denis Meuthen

Department of Biology

University of Saskatchewan, Canada

E-Mail: denis.meuthen@usask.ca

 

Dr. Timo Thünken

Institut für Evolutionsbiologie und Zooökologie der Universität Bonn

Tel.: 0228/73-5114

E-Mail: tthuenken@evolution.uni-bonn.de